Finanzmarktkrise: Präventionsaspekte für Unternehmer
Die weltweite Finanzmarktkrise hat mittlerweile nahezu alle Sektoren der deutschen Wirtschaft erfasst. Möglicherweise sind Sie bisher von den Auswirkungen weitestgehend verschont geblieben, etwa weil Ihr Unternehmen eine starke finanzielle Basis besitzt oder Ihr Marktsegment überwiegend konjunkturresistent ist. Konjunkturresistente Produkte oder ein “dickes Polster” schützen Sie allerdings nicht langfristig vor den Folgen der Krise. Wir wollen Sie daher umfassend informieren, damit Sie nicht mit den Folgen der Rezession in nachhaltig negative Berührung kommen. Sofern dies bereits geschehen sein sollte oder sich nicht vermeiden lassen wird, wollen wir Sie ausreichend informieren und Sie auf dem Weg aus der Krise begleiten. Denn wie wir wissen, ist vielen noch nicht die Brisanz der Lage klar, wie sich schrumpfende Umsätze beispielsweise auf die Fähigkeit des Unternehmens, Kredite zu tilgen, auswirkt.
Ist-Analyse
Gibt es irgendwo Liquiditätsreserven, wie können Zahlungsziele unserer Lieferanten ausgedehnt werden, was können wir tun um die Vorräte zu mindern und entsprechend die Kosten senken und wie können unsere Forderungen schneller eingetrieben werden? Solche und viele weitere Fragen sind in den letzten Wochen an uns verstärkt herangetragen worden. Und vielleicht haben Sie sich die eine oder andere Frage auch schon gestellt?
Die Analyse Ihres Unternehmens unter diesen Aspekten ist für uns in Krisenzeiten der erste Schritt zur Erstellung einer maßgeschneiderten Strategie gegen die Krise und Basis für einen sicheren Ausweg aus dieser. Wir führen zusammen mit Ihnen eine so genannte Ist-Analyse durch. Dabei nehmen wir ganz besonders Ihre eigenen Liquiditätsquellen unter die Lupe. Maßgeschneidertes Liquiditätsmanagement ist, nachdem Finanzierungen schwieriger geworden sind, oberste Priorität.
Liquiditätsmanagemen
In einem nächsten Schritt gilt es, das Liquiditätsmanagement mit Ihrer Geschäftsplanung in Ihrem Unternehmen in Einklang zu bringen. Daran hapert es in vielen mittelständischen Gesellschaften, wie unsere Erfahrungen zeigen. Selbst wenn Sie es nicht auf den ersten Blick wahrhaben wollen: Eigene Liquiditätsquellen gibt es auch in Ihrem Unternehmen. Um diese Liquiditätsquellen zu heben, ist es Voraussetzung, Transparenz im eigenen Haus herzustellen. Wir analysieren dabei unter anderem wie hoch das Forderungsvolumen beispielsweise in einer Ihrer Kundengruppe ist und klären, welche Bedeutung Ihre Lieferanten haben. Außerdem erstellen wir in eigens zusammengestellten Risikogruppen in bestimmten Abständen die Folgen einer Abhängigkeit gegenüber einzelnen Lieferanten und/oder Kunden. Sprechen Sie uns an.
Bilanz analysieren und optimieren
Neben dem Liquiditätsmanagement ist auch das Bilanzstrukturmanagement von großer Relevanz. Hierzu nehmen wir ganz besonders Ihr Vorratsvermögen unter die Lupe. Wir analysieren es im Hinblick auf Posten, die nur schwer, verzögert oder gar nicht mehr zu verkaufen sind. Wir entwickeln für Sie diverse “Was-wäre-wenn Szenarien”. Hierzu gehört auch die Frage, was passiert wenn Kunden Aufträge nicht mehr erteilen oder gar stornieren.
Teil des notwendigen Bilanzstrukturmanagements ist es auch, bereits gebildete, notwendige oder mögliche Rückstellungen zu analysieren. Müssen Sie als Folge der Krise Arbeitskräfte entlassen, trifft Sie dieses Thema besonders im Hinblick auf Rückstellungen für Abfindungen und/oder Drohverluste. Die Crux von Rückstellungen liegt nämlich darin, dass diese zu einer sinkenden Eigenkapitalquote führen und damit zum Ansteigen des Verschuldungsgrades Ihres Unternehmens. Gerade Letzteres ist aber derzeit “Gift”, sofern Sie sich in der aktuellen restriktiven Kreditvergabepraxis der Banken um Kredite bemühen müssen. Sprechen Sie uns daher besonders auf Ihre bereits gebildeten Rückstellungen an, wenn Sie mit Ihrem Unternehmen nicht in die Gefahr geraten wollen, Kreditauflagen zu verletzen.
Erfolgreich aus der Kreditklemme
Eine weitere Folge der Finanzkrise ist der bereits bestehende Liquiditätsengpass auf dem Kreditmarkt, welcher sich in nächster Zeit verschärfen dürfte. Denn es spricht vieles dafür, dass die Zeiten, in denen Liquidität ein billig zu habender “Rohstoff” war, endgültig vorbei sind. Hauptursache hierfür ist die zunehmend restriktivere Kreditvergabe der Banken sowohl untereinander als auch gegenüber Ihren Kunden. Uns wurde bereits berichtet, dass viele Hausbanken bestehende Kreditrahmen kürzen und fällige Kredite nicht mehr verlängern wollen. Wir wollen Ihnen dabei helfen, bereits bestehende Liquiditätsengpässe zu beseitigen beziehungsweise bieten Ihnen an, durch einen umfassenden Liquiditätscheck mögliche Risiken aufzuzeigen und entsprechende Vorsorge zu treffen.
Alternative Finanzierungsformen
In diesem Zusammenhang wollen wir Sie ganz besonders auf Möglichkeiten alternativer Finanzierungen hinweisen. Haben Sie beispielsweise schon darüber nachgedacht, Ihre Forderungen zu verkaufen – auch Factoring genannt? Ein so genannter “Faktor” kauft Forderungen an und bevorschusst diese bis zur Fälligkeit. Gegen entsprechende Gebühr (Abschlag) übernimmt er noch das Forderungsausfallrisiko. Auf diese Weise haben Sie Gelder, die in Forderungen gebunden sind zur sofortigen Verfügbarkeit. Dadurch kann für Sie ein Dispositionskredit unter Umständen überflüssig werden. Wir analysieren für Sie gerne die Vorteile und Möglichkeiten eines Forderungsverkaufs und legen dar, ob sich Ihre Liquidität dadurch verbessert.
Gerne erörtern und analysieren wir für Sie auch Möglichkeiten von Mezzaninefinanzierungen. Darunter fallen Finanzmitteln, die zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelt sind. Die Einbeziehung einer Bank ist nicht notwendig. Im Einzelnen könnte für Sie in Betracht kommen:
- Nachrangdarlehen,
- stille Beteiligungen und/oder
- Genussrechtskapital.
Gegenmaßnahmen treffen – Öffnungsklausel nutzen
Das Nachrangdarlehen stellt die dem Bankkredit ähnlichste Form der mezzaninen Finanzierung dar. Im Unterschied zum klassischen Bankkredit ist bei Nachrangdarlehen der Rückzahlungsanspruch für den Fall der Insolvenz gegenüber anderen Gläubigern mit einem Nachrang versehen. Sie kennen das ganze vielleicht auch unter dem Begriff des “partiarischen Darlehens”. Sie können außerdem die Eigenkapitalbasis Ihres Unternehmens in der Krise durch die Aufnahme stiller Gesellschafter stärken. Nehmen Sie beispielsweise Ihre engsten Mitarbeiter als stille Teilhaber auf, bilden diese zusammen eine “stille Gesellschaft”, welche eine reine – für Außenstehende unsichtbare – Innengesellschaft ist. Ihr Vorteil: Das Vermögen der stillen Beteiligung geht in das Vermögen des Betriebes über und erscheint in der Bilanz als Teil des Eigenkapitals. Schließlich könnte in Ihrem Fall auch die Beschaffung von Genussrechtskapital durch Ausgabe von Genussrechten, die Kapitalgeber am Gewinn und Verlust Ihres Unternehmens beteiligen, ein gangbarer Weg für eine Alternativfinanzierung sein. Die Vorteile aller alternativen Finanzierungsformen liegen unter anderem darin, dass der Kreditspielraum bei Ihrer Bank nicht eingeengt wird, sich die Anteilsstruktur Ihrer Altgesellschafter nicht ändert und Ihr Unternehmen eine nachhaltige Verbesserung der Eigenkapitalquote und der Bonität erlangt. Die Ausgestaltung kann den individuellen Erfordernissen entsprechend vorgenommen werden.
Die allgegenwärtige Finanzmarktkrise wird viele Unternehmerinnen und Unternehmer im Laufe des Jahres 2009 mit Vehemenz treffen. Wir haben Ihnen Möglichkeiten und Alternativen erläutert, wie Sie mit Ihrem Unternehmen im Ernstfall der Krise begegnen könnten. Selbstverständlich gibt es kein Patentrezept. Die Lage ist ernst, ja viel zu ernst für die Erteilung allgemeingültiger Rezepturen.
Es kommt also immer auf den Einzelfall – auf Ihren Fall – an. In einem Gespräch sollten wir die Details besprechen. Zur Vorbereitung auf ein Gespräch mit uns habe haben wir Ihnen eine Checkliste zusammen gestellt. Diese soll Ihnen als roter Faden zur Vorbereitung krisenfester unternehmerischer Gestaltungen gemeinsam mit uns dienen. Die Checkliste ersetzt nicht die individuelle Beratung.
Unternehmenscheck- Ist Analyse
- Vorratsvermögen ermitteln
- Fertige-unfertige Erzeugnisse – wie viel Liquidität ist gebunden?
- Forderungen ermitteln, Liste aller Schuldner zusammenstellen
- Angaben über die Bonität der Schuldner ermitteln
- Verbindlichkeiten und Kredite-Check
- Kurzfristige Kredite ermitteln, Liste aller Gläubiger zusammenstellen
- Möglichkeiten der Kreditverlängerungen analysieren
- Skonto, Zahlungsfristen und Zahlungsmodalitäten: Selektion “teurer” und “günstigerer” Lieferantenkredite
Liquiditätsmanagement/operative Unternehmensplanung
- Abstimmung Finanzplaner-operatives Unternehmensmanagement
- Strategische Umsatzplanung
- Erstellen eines Umsatzplanes (Basis: Statistiken, Erfahrungswerte, Schätzungen)
- Anpassen des Umsatzplanes (Soll-Ist-Vergleich)
- Umsatzkalkulation erstellen, dabei höhere Finanzierungskosten in die Gesamtkostenkalkulation einplanen
Überprüfen der Kundenstruktur
- Säumige Kunden ermitteln, ggf. aussondern (Trennung der “Spreu vom Weizen”)
- Guten Kunden längere Zahlungsziele einräumen, Maßnahmen zur Kundenbindung treffen
Rückstellungen/Bilanzanalyse
- Analyse aller Rückstellungen
- Verhältnis Rückstellungen/Eigenkapitalquote analysieren
- Mögliche Entlassungen prüfen
- Pensionsrückstellungen aufarbeiten, mögliche Vorruheständler ermitteln
Alternative Finanzierungsformen prüfen
- Factoring Unternehmen kontaktieren ggf. Angebote einholen
- Stille Teilhaber: Gibt es gute und vertrauensvolle Mitarbeiter?
- Alternative: partiarisches Darlehen
- Ausgabe von Genussscheinen prüfen
(Quelle: Haufe-Index 2092369, bearbeitet)


